Mainz, wie es klatscht und klatscht
Moderator: Sven Voss
Spiel der Woche: 1. FC Köln – FC Schalke 04
Studiogast: Toni Kroos (FC Bayern München)
Was passierte an der Torwand? Während Toni Kroos nur Fahrkarten schoss, traf Freizeitkicker Stephan Philipp bei seinem ersten Schuss spektakulär »über Bande«.
Spiel der Woche: 1. FC Köln – FC Schalke 04
Studiogast: Toni Kroos (FC Bayern München)
Was passierte an der Torwand? Während Toni Kroos nur Fahrkarten schoss, traf Freizeitkicker Stephan Philipp bei seinem ersten Schuss spektakulär »über Bande«.
Was war eigentlich am Samstagabend auf dem Lerchenberg los, als der jugendliche Moderator das Sportstudio eröffnete? Wer hatte das Mainzer Publikum in solch besinnungslose Ekstase versetzt, dass es klatschte und klatschte? Heinz Schenk? Lana del Rey? Oder gar Hans-Dietrich Genscher? Die Zuschauer hieben ihre Hände ineinander, als hätte ihnen ein Mitarbeiter erklärt, dass sie nur wieder aus Mainz ausreisen dürften, wenn sie nach 75 Minuten wunde Innenflächen vorweisen können. Und Moderator Sven Voss schrie erfolglos dagegen an.
Das ZDF hatte großes Glück mit dem »Spiel der Woche«: Der FC Schalke 04 erwies sich als verlässlicher Partner und praktizierte Offensivfußball Stevens´scher Prägung. Genauso gewöhnungsbedürftig ist, dass vor dem Samstagabendspiel immer der offizielle Bundesliga-Spot läuft. Der Zuschauer hat das Gefühl, als würde die DFL temporär das Kommando übernehmen und das Zweite Deutsche Fernsehen fortan fremd gesteuert. Irritiert wirkte auch der ZDF-Mann im Stadion, sprach zunächst von einem Schalke-Spieler namens »Christian Metzelder«. Ein Pluspunkt der ausführlichen Behandlung war, dass man – dank geschickter Fragestellung und nachfolgender Zurückhaltung – endlich einmal von Schalke-Manager Horst Heldt selbst hörte, wie ernsthaft das Interesse an Lukas Podolski ist. Seeehr ernsthaft.
Einmalig im deutschen Fernsehen und unschlagbar ist die 3D-Spielanalyse. Das zuletzt äußerst fortschrittliche ZDF sollte darüber nachdenken, weitere Spiele ebenso zu analysieren und die Erkenntnisse ins Netz zu stellen. Oder eine eigene Sendung für den Kanal »ZDF Kultur“ zu erfinden.
Studiogast war kein Geringerer als die größte Verheißung des deutschen Fußballs neben Mario Götze und Tom Trybull. Geblendet von gleißendem Licht und in drei Streifen gewandet trat Toni Kroos durch eine weiße Schiebetüre ins Studio– eine Szene irgendwo zwischen Raumpatrouille Orion und Raumpilot Ijon Tichy. Hier wäre weniger mehr gewesen, liebe öffentlich-rechtliche Kulissenbauer. Kroos war allerdings ein angenehmer Gast, dem man anmerkte, wie gut ihm seine Zeit in Leverkusen bekommen ist. Wer den FC Bayern einmal von außen betrachten durfte, kann ihn später besser ertragen – und analysieren. Gerne hätte man mehr erfahren über seine besondere Beziehung zu Trainer Jupp Heynckes. Doch insgesamt war Sven Voss bestens vorbereitet, fragte engagiert und aufgeregt wie ein Schülerzeitungsredakteur.
Etwas naiv war allenfalls der Gedanke, den Jungstar die Nationalelf aufstellen zu lassen. Es haben schließlich schon ganz andere Größen des Fußballgeschäfts Probleme bekommen, nachdem sie im Sportstudio Spieler auf einer Tafel hin- und hergeschoben haben. Eine interessante Nebenerkenntnis des Gesprächs war, dass sich Kroos seine spielerische Inspiration einst bei Johan Micoud holte.
Fazit: Das Sportstudio hat sich in dieser Saison neu erfunden, ist wieder das Schlachtschiff am Samstagabend. Das einzige Problem: Es fängt eine Stunde zu spät an. Früher lief zu dem Zeitpunkt fast schon die Wiederholung auf 3sat. Manchmal versucht man noch zu viel, will zu modern sein: etwas zu viel Facebook und Twitter, so dass sich Sven Voss auch mal dazwischen verheddert. Doch insgesamt sieht der geneigte Couch Potatoe im Sportstudio sehr viel kenntnisreich aufbereiteten Fußball. Was rätselhaft bleibt: Wer sind diese Menschen, die Samstagnacht auf den Lerchenberg steigen und zur Klatschmaschine mutieren?
Reporter-Plus: »Wieder unterstützen die Gäste die Dortmunder Spielsucht.« (über Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim)
Reporter-Minus: »Vielleicht lächelt er innerlich.« (über Bankdrücker Michael Ballack beim Gegentor)
Studiogast am nächsten Samstag: »Das magische Dreieck« (Balakov – Bobic – Elber)


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