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Wie bereiten sich die deutschen Strandjungs auf die Beach-Soccer-WM in Marseille vor?
Der neue Sommerfußball - Beach-Soccer [16.06.08]


Wie bereiten sich die deutschen Strandjungs auf die Beach-Soccer-WM in Marseille vor?Vom Wetter her war der 29. März 2008 ähnlich katastrophal wie die Monate zuvor und die Wochen danach. Kälte, Regen und Nässe, alles unter grauem Himmel. Deutschland weit entfernt von Sonne, Strand und Meer. Doch genau an diesem Tag begann die Odyssee des Beach Soccer Team Germany Der 14-köpfige Kader der deutschen Strandfußball-Auswahl traf sich zum Start seiner Vorbereitungen auf die Beach-Soccer-WM 2008. Wenn Fortune, Geschick und Einsatz in der richtigen Mischung vorhanden sind, soll die Expedition im Juli auf einem Sandplatz in Marseille enden.
Wie bereiten sich die deutschen Strandjungs auf die Beach-Soccer-WM in Marseille vor?Bis die deutschen Strandjungs über ein Duell mit Frankreichs Trainer Eric Cantona nachdenken dürfen, muss das Team allerdings noch eine große Hürde auf dem Weg nach Frankreich überwinden – nämlich die Qualifikation im spanischen Alicante. Nur die vier Halbfinalisten lösen auch das Ticket für die WM-Endrunde. Angesichts von 24 konkurrierenden europäischen Mannschaften, die am Qualifikationsturnier teilnehmen, wahrlich keine leichte Aufgabe. In der Vorrunde trifft Deutschland auf Spanien, Weißrussland und Rumänien. Die Leistungsdichte bei den europäischen Vorentscheiden ist enorm hoch. Italien und Portugal, der Weltmeister von 2005, gelten als Favoriten, dahinter stehen die Teams aus Spanien, Russland und der Ukraine mit Deutschland auf einer Stufe. Ein harter Cut.
Wie bereiten sich die deutschen Strandjungs auf die Beach-Soccer-WM in Marseille vor?Dementsprechend konzentriert geht das Beach Soccer Team Germany seine Vorbereitungen an. Ein einwöchiges Trainingslager Ende April und zwei Länderspiele Anfang Mai gegen Tschechien und Österreich standen bereits auf dem Programm. In Heiligenhafen an der Ostsee trainierte die Mannschaft auf einem Sandfeld an speziellen Taktiken und baute Kondition für das weiche Geläuf auf – alles von der Jahreszeit bedingt noch „unterm Dach“. Dort ist Spieltrainer Eddi Löwen häufiger unterwegs: Er sucht auf eigene Kosten bei Futsal-Turnieren nach weiteren Kadermitgliedern. Dort, beim Hallenfußball mit dem kleinen Ball, ist das Spiel in punkto Taktik, Spieleranzahl und Feldgröße dem Beach Soccer sehr nah. Die größte Zahl der Nationalspieler kommt derzeit noch aus dem Beach-Soccer-Ballungsgebiet Düsseldorf/Köln, aber es sind jetzt auch zwei aus der Region Hamburg/Lübeck dabei, sowie jeweils einer aus Aschaffenburg, Stuttgart und Ostwestfalen. „Der Kader wächst und deshalb auch der Konkurrenzkampf im Team“, sagt Eddi Löwen.
Wie bereiten sich die deutschen Strandjungs auf die Beach-Soccer-WM in Marseille vor?Wer es einmal in den Kader geschafft hat, bekommt einiges von der Welt zu sehen: Frankreich, Israel, Österreich und die Schweiz bereiste die Mannschaft alleine im letzten Jahr. In diesem steht neben Zielen wie Spanien, Tschechien und Israel auch noch ein Benefizspiel gegen eine Mannschaft um Bundesliga-Profi Diego an, am Baldeney-See in Essen. Für die Kicker, die größtenteils aus Verbands-, Landes- und Oberligen stammen, bietet sich die Möglichkeit, in Hexenkesseln vor über 5000 Zuschauern ihr Können unter Beweis zu stellen. Gewisse Entbehrungen müssen sie allerdings auf sich nehmen, da der Trainingsbetrieb in einem normalen Fußballverein und Beach-Soccer-Ambitionen sich oft schwer vereinbaren lassen. Stefano Mari etwa, zentrale Figur der Mannschaft, wird sich nach dem Sommer einen neuen Verein suchen. Sein bisheriger Club wollte ihm in der heißen Phase der Saison nicht die notwendige Zeit einräumen, um sich die besondere Sandfitness zu erschwitzen. Gerade diese Ausdauer ist jedoch wichtige Voraussetzung, weshalb auch Kapitän Dennis Prostka mehrmals in der Woche auf weichem Grund trainiert. Er selbst beendete seine Profikarriere bei Fortuna Düsseldorf vor zwei Jahren, um mehr Zeit in Beach Soccer investieren zu können. „Gerade als Torwart, der ja permanent im eigenen Drittel rotiert, brauche ich eine besondere Fitness“, argumentiert er und lässt durchblicken, dass jeder Spieler irgendwann eine konsequente Entscheidung treffen muss, für oder gegen Beach Soccer.
Wie bereiten sich die deutschen Strandjungs auf die Beach-Soccer-WM in Marseille vor?Sollte das Turnier in Alicante erfolgreich verlaufen, wissen die Spieler um ihre Chance, eine Überraschung zu landen. „Wenn die schwere Qualifikation überstanden ist, haben wir große Möglichkeiten. Wenn man in Europa besteht, kann man sich auch mit allen anderen messen“, glaubt Mari. Nur die brasilianische Übermannschaft hat es in sich. Von den seit 1994 ausgetragenen Weltturnieren gewannen die Brasilianer alle bis auf zwei. Ihre Dominanz mag wenig verwundern bei einem Sport, der sich – neben den akrobatischen Torschüssen und spannungsgeladenen Partien – auch abseits des Platzes der Lebensfreude verschrieben hat. „Beach Soccer ist zwar eine Fun-Sportart, aber die Events sind keine reinen Spaßveranstaltungen. Jedes Match ist ein großer Kampf“, beteuert Coach Eddi Löwen.
Denkbar knapp scheiterte er letztes Jahr in der Qualifikation gegen den damaligen Weltmeister Portugal, als die deutschen Strandspieler beim Stand von 3:1 kurz vor Schluss innerhalb von 15 Sekunden zwei Tore kassierten. Das Match ging im Elfmeterschießen – nicht gerade typisch deutsch – verloren.
Wie bereiten sich die deutschen Strandjungs auf die Beach-Soccer-WM in Marseille vor?Eric Cantona war übrigens auch der erste Gegenspieler, dem Eddi Löwen auf Sand begegnet ist, als er 2000 sein Debüt in der Nationalmannschaft gab. Das Spiel gegen die Franzosen, bei denen sich der Altmeister damals noch höchstpersönlich durch den Sand grub, konnte das deutsche Team gewinnen. Löwen hofft „le roi“ dieses Jahr in Marseille auf einen Schnack wieder zu sehen. Vielleicht bereitet das Team Germany Cantona ja ein Déjà-vu-Erlebnis.

Autor: Stefan Schneider
Bilder: sportsandevent


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