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STAEDTE

Städte: Köln
BOLZEN-Stadt-Porträt, Teil 1: Köln
Kölner Schlammgebolze [29.07.04]


BOLZEN-Stadt-Porträt, Teil 1: KölnKölns Wiesenkicker strotzen nur so vor Innovationskraft. Rudolf von Schorlemer, Gründer und Präsident der Kölner Bunten Liga, forderte in einer Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum der Alternativkicker bereits 1998, der 1. FC Köln brauche „mal wieder Nachwuchs aus der Umgebung; Identifikationsfiguren müssen her, so Littis“. Es hat lange gedauert, aber jetzt endlich, sechs Jahre später, ist auch die Klubführung des Absteigers auf diese Idee gekommen. Wolfgang Overath lässt sich für eben jene präsidiale Erkenntnis als Messias des darbenden Kölner Klubfußballs feiern, ja, selbst Deutschland hätte bei der EM im kölnischen Straßenkicker Lukas Podolski beinahe seinen Retter gefunden.
Der Herzschlag der Kölner Bolzgemeinde
Doch der FC wird noch lange brauchen, bis er seinen Rückstand gegenüber der Kölner Fußballbasis aufgeholt hat. Das Publikum im RheinEnergie-Stadion gehört ebenso zu Deutschlands Top Five wie die Kicker auf den Wiesen der Stadt: Es gibt zwei organisierte Alternativfußballligen, einen regen studentischen Bolzbetrieb an Sporthochschule und Universität sowie jede Menge Wiesenfußball in den Parks, was wiederum dem Local Hero Konrad Adenauer zu danken ist. Adenauer schenkte der Stadt nämlich in den 20er Jahren als Bürgermeister einen gigantischen Fußballplatz in zentraler Lage: den Inneren Grüngürtel. Dieser riesige Park zieht sich von der Kölner Südstadt bis nach Nippes im Norden rund um die Innenstadt und ist im Prinzip eine einzige große Spielwiese, auf der sich nachmittags und am Wochenende fast immer ein Kick an den nächsten reiht. Hier schlägt das Herz der Kölner Bolzgemeinde.
Pfützen, Furchen und Bodenwellen
Auf diesen stadtgärtnerisch vernachlässigten Äckern sind ganz im Geiste des ersten Bundeskanzlers deutsche Tugenden gefragt, Hans-Peter-Briegel-Typen, die den Ball mit bloßer Körper- und Willenskraft durch Pfützen, Furchen und über Bodenwellen treiben. Man kennt das: Anwesend sind dann acht geniale Spielmacher, die sich im Mittelfeld auf die Füße treten, während ein verlorener Leichtathlet vergeblich versucht, die Defensive zusammen zu halten. Doch gibt es auch richtig gute Kicks, Geschmacksache und Glücksache, an wen man gerade gerät, oder welche Typen zu verkatert oder ganz im Bett geblieben sind. Einen Mangel an Leidenschaft wird es auf den Bolzplätzen dieser hingebungsvollen Fußballstadt nie zu beklagen geben, auch wenn so manches verkannte Dirk-Lottner-Genie schon mal beleidigt von dannen zieht. Köln trägt das wilde Bolzen mitten in seinem topographischen Herzen, und von dort strahlt es in alle Richtungen, wie die großen Ausfallstraßen der Stadt.
Was geht in der Bunten Liga?
„Schönheit und Ausdauer“

„Drei Ecken, ein Kölsch“, „Schönheit und Ausdauer“ gegen „Juventus Urin“ und der aktuelle Meister „Torpedo Wiesenriesen“ – wenn sich der Sprachwitz der Akteure der Bunten Liga im Spielwitz auf dem Platz widerspiegelt, dann wird hier großartiger Fußball gespielt.
Die Bunte Liga Köln geht in ihre 17. Saison, ist eine der größten Alternativfußballligen Deutschlands und boomt auch weiterhin. Mittlerweile hat sich gar eine Konkurrenzliga gegründet, die Cologne Champions League und beide Wettbewerbe müssen Jahr für Jahr Mannschaften ablehnen, die sich um Aufnahme bewerben. Die Anzahl der Spiele wäre andernfalls nicht mehr zu organisieren. Als kleinen Trost für alle Abgelehnten gibt es allerdings in der Cologne Champions League einen Transfermarkt, wo interessierte Spieler ihre Dienste anpreisen können. Auch einzelne Bunte Liga-Teams suchen über ihre Homepages nach Nachwuchs – mittlerweile dann die zweite und dritte Spielergeneration.
Die politischen Wurzeln der Alternativkicker, die in die 70er Jahre zurückreichen, rücken also langsam in den Hintergrund. Die spaßorientierten Retrotrikotträger lösen die Urgesteine aus der Spontiszene ab, während aggressive Treterteams aus der vorstädtischen Kreisligaschule immer noch erfolgreich ausgeschlossen werden. Eine echte Bedrohung für die Liga sind allerdings die etwas undurchsichtigen Planungen der Stadt, den wichtigsten Spielort, die Jahnwiesen vor dem RheinEnergie-Stadion, zur WM 2006 umzugestalten. Trainingsplätze für die Profis, Parkplätze oder Ähnliches sind in Planung.

Bunte Liga Köln
www.bunteligakoeln.de

Cologne Champions League
www.colognechampionsleague.com

Autor: Daniel Theweleit
Bilder: Claudia Rorarius


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