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BOLZEN-Stadt-Porträt, Teil 3: München Zur Wies’n-Zeit – Nicht nur im Oktober! [18.05.05]
 Gäbe es den FC Bayern München nicht, man müsste ihn für diese Stadt erfinden. So sehr gleichen sich die Wesenszüge: ein bisschen Grössenwahn,
Vielkoketterie,dabei aber sehr erfolgreich und doch immer wieder schön anzusehen–so ist der Verein,so ist auch diese Stadt. | Der Fußball in München lebt vor allem an zwei Orten:
Im Olympiastadion und im Englischen
Garten. Motive, die auf keiner Postkarte fehlen dürfen. Ein richtiger Münchner wird an dieser Stelle schon beleidigt sein, denn der TSV 1860 München ist noch mit keinem Wort erwähnt worden. Zu Unrecht. Der Verein des kleinen Mannes ist in Giesing zuhause,
dort, wo der berühmteste Sohn der Stadt das Fußball spielen gelernt hat: Franz Beckenbauer.
Richtige Straßenfußballer gibt es dort immer noch, aber sie heißen nicht mehr Franz oder Gerd, sondern Murat oder Slobodan. Ab und an trifft man sie beim Kicken in einer
der vielen Parkanlagen der Stadt – und kann dabei viel lernen. | DIE BUNTE LIGA
Das Münchner Fußballpublikum hat hohe Ansprüche, das merkt man an der selten guten
Stimmung im Olympiastadion. Der Umzug in die Allianz Arena soll das ändern. Die Süddeutsche Zeitung vergleicht es bereits mit Schloss Neuschwanstein, die Verantwortlichen
sprechen – mal wieder in aller Bescheidenheit – vom schönsten Stadion der Welt. Und auch die Münchner Freizeitkicker geben sich erhaben, ihre Liga haben sie Royal Bavarian
genannt. Die Königlichen spielen in zehn Unterligen, von ganz schlecht bis gar nicht mal so schlecht, dazu gibt es einen Ligapokal und eine Championsliga. Gefürchtete Gegner
sind die »Söhne Münchens«, der FC Blutgrätsche (fanatische Bayern-Fans) und »Barfuß
Jerusalem«. Den effizienten aber oft langweiligen 1:0-Fußball à la FC Bayern gibt es hier nicht: Freizeitkicks enden 6:5, 9:3 und auch schon mal 17:0. Die eigene Internetseite www.royalbavarianliga.de begrüßt demnächst den 350.000 Besucher und wird liebevoll gehegt und gepflegt. In der Royal Bavarian Liga herrscht Ordnung auf und abseits vom Platz. König Ludwig II. wäre stolz auf sie gewesen. | | | | | |
Autor: Marc Baumann Bilder: Sorin Morar
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