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BOLZEN-Stadt-Porträt, Teil 4: Berlin Die Macht der Kieze [18.10.05]
Mag Berlin unter den europäischen Metropolen auch als Parvenü, als zu spät Gekommene, leichte provinzielle Großstadt gelten: Für die mit dem Ball am Fuß ist die Stadt der oftmals unerfüllten Hoffnungen das Paradies. Kein Stadtbezirk, kein Kiez ohne einen passablen Fußballplatz. Gespielt wird überall.
 Bolz-Szene und Parkfußball
Und die Bolz-Szene ist so wie die ganze Stadt: vielfältig, unaufgeregt und leicht rebellisch. Wilde Bolzplatz-Romantik findet man jedoch auch in der Hauptstadt immer seltener. Statt in verwilderten Parks, betonierten Hinterhöfen oder dem legendären Rasen vor dem Reichstag wird immer häufiger auf modernen Kunstrasenplätzen geflankt und geschossen. Hier geht es für die Metropolen-Bolzer jede Woche aufs Neue – mal mit und mal ohne Segen des Platzwarts – um nicht weniger als alles.
Doch noch gibt es in der Stadt echte Parkfußballer. Die wenigsten kommen aus Berlin. So wie die neue Mitte, lebt auch der Fußball von all jenen, die hier ihr Glück suchen und dafür sorgen, dass Stadt und Ball immer in Bewegung bleiben.
Kirchen- und Drogenliga
Andere große Städte haben drei Stadtparks und eine Bunte Liga – Berlin hat mehr. Für fast jede Leidenschaft und Konfession findet sich hier die passende Spielform. Neben der eher jungen Bunten Liga gibt es u.a. eine Kirchenliga, Bistumsliga, Drogenliga und Freizeitliga des Berliner Fußballverbands. Viele davon spielen in bis zu fünf Staffeln. Das Niveau reicht von bierselig bis galaktisch. Die Liga der Technischen Universität ist die älteste der Stadt. Bereits 1969 gegründet, kicken hier längst nicht mehr nur Studenten der TU. Äußerst beliebt und routiniert ist auch die Union-Liga. Von Fans des Köpenicker Vereins 1981 gegründet, findet man dort inzwischen durchaus auch mal ein paar Herthaner.
Der einzige Berliner Bundesligist ist im Bewusstsein der Stadt übrigens weitaus weniger präsent als die großen Mannschaften in Köln, Hamburg oder München. Die Stadt beweist damit einmal mehr ihr schwer zu fassendes Eigenleben, die Skepsis gegenüber dem Establishment und die Macht der Kieze. | | | | | | | |
Autor: Ronald Kaduk Bilder: Christoph Buckstegen
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