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Bolzen-Stadt-Porträt, Teil 9: Stuttgart Käfige im Kessel [19.04.07]
Es ist an der Zeit, mit einem althergebrachten Klischee aufzuräumen. Geiziger als der Schotte, so wird ja gerne kolportiert, sei nur noch der
Schwabe. Geht es allerdings um die schönste Nebensache der Welt, ist Knausern ein Fremdwort in der hochdeutschfreien Landeshauptstadt. »Pay to play« lautet die Devise in Stuttgart.
 Die zahllosen Hobbyteams greifen dabei
überwiegend auf Vereinsplätze zurück,
mitunter werden auch die entsprechenden
Beziehungen zur Nutzung von Betriebssportanlagen aktiviert. Zwar dürfte Stuttgart eine der grünsten Großstädte der Republik sein, die
großen freien Flächen im Innenstadtbereich
beschränken sich jedoch auf den Rosensteinpark und den Schlossgarten. Letzterer erstreckt sich über eine Länge von mehr als drei Kilometern vom Neuen Schloss bis zur Neckargrenze in Bad
Cannstatt. Zum Fußballspielen wird
derzeit weitestgehend der innenstadtnähere
Teil genutzt, der »Mittlere Schlossgarten«, wobei der bis zum Hauptbahnhof führende »Obere Schlossgarten« mittlerweile auch nicht mehr von Verbotsschildern geziert wird. Doch grundsätzlich ist die Entstehung der städtischen
Grünflächen untrennbar mit Ballspielverboten verbunden, und das wohl nur teilweise aus Gründen der Rasenpflege. Insofern war und ist die Geschichte des »wilden Fußballs« in Stuttgart
immer auch eine der stetigen Wanderungen. Die Entwicklung hin zum Bezahlsport kann hierzu durchaus in einem unmittelbaren Zusammenhang
gesehen werden. |  Außer den beiden genannten Parks bietet sich außerdem der Höhenpark Killesberg auf Grund seiner geographische Nähe zum Stadtzentrum fürs wilde
Bolzen an, wobei sich die Spielfläche aufgrund der Hanglage, verglichen mit der Größe des Parks, auf ein vergleichsweise kleines Areal beschränkt. Dennoch kann das »Tal der Rosen« wohl als
der Klassiker schlechthin bezeichnet
werden, und das auch, weil sich hier die
jahrelange Rasenpfl ege erfolgreich ausgewirkt
hat. Darüber hinaus sind frei zugängliche
Plätze auf naturbelassenem Terrain in
fast allen Stadtteilen zu finden, im »Kessel« jedoch, dem erweiterten Innenstadtbereich, hat sich im Zuge der Modernisierung
von Schulen und Jugendzentren die »Käfigbildung« beinahe flächendeckend durchgesetzt. Multifunktionsplätze in Form von dreieckigen 10-Meter-Kunstrasenflächen bis hin zu Plätzen
in Handballfeldgröße gehören in allen denkbaren Umfängen zum Standard. Allein, wer die vorgegebene Altersgrenze überschritten hat, muss vielerorts leider draußen bleiben. Und dann im Zweifelsfall
eben doch bezahlen. | | | | | | |
Autor: Joachim Henn Bilder: Victor S. Brigola
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