BOLZEN-Stadt-Porträt, Teil 5: Hannover Wo die wilden Kicker wohnen [24.04.07]
Das magische Fußball-Dreieck Hannovers liegt in den alten Arbeiterstadtbezirken im Westen. Auf einem Viertel der Stadtfläche ballen sich über die Hälfte aller 46 Fußballplätze. Denn Fußball war immer Arbeitersport. Geblieben ist er es nicht.
Der gemäßigt organisierte Freizeitfußball in Hannover hat seine eigene Geschichte. Über die Jahre konnte sich eine überlebensfähige Parallelgesellschaft zum Vereinsfußball entwickeln. Doch auch in Niedersachsen bedeutet wilder Fußball oft Askese: Es gibt kaum Rasenplätze, oft keine Tore. Der Georgengarten mit einer Vielzahl zwangloser Bolzgelegenheiten ist das Epizentrum einer Freizeitfußballwelle, die sich von dort bis in die Außenbezirke Hannovers ausbreitete. Der »Garten« war vor 16 Jahren auch Austragungsort der Mutter aller Spiele: »Cafe Glocksee« gegen »Silke Arp bricht«. Der legendäre Kick war gleichzeitig Nährboden und Auslöser für die Gründung der heutigen Hobby-Liga. Einmal im Jahr findet – in Memoriam – unter Regie von »Silke Arp bricht« ein Kind und-Kegel-Gedächtnisturnier statt. Ansonsten geben sich die Hannoveraner recht wetterfühlig: Im Winter sinkt die große Resonanz der warmen Monate proportional zur fallenden Außentemperatur und zur Niederschlagsmenge. Den Hartgesottenen machen Schneestürme und Regengüsse wenig aus, die Weichen konvertieren zum sauerstoffarmen Hallenfußball oder züchten zu Hause bei Fernsehfußballtheorie ihr Hüftgold, um mit den ersten Schneeglöckchen auf wackeligen Beinen in den Frühling zu grätschen.