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Bolzen-Stadt-Portrait, Teil 10: Dortmund Alles auf den BVB fixiert [03.08.07]
In Dortmund sind sie stolz auf den Fußball ihrer Stadt, die Tradition, all die
Erfolge des BVB und vor allem auf die Zuschauermassen, die alle zwei Wochen
bei den Heimspielen den Weg ins Stadion fi nden. In einem solchen Umfeld
sollte es ein Leichtes sein, sich hinab zur Basis zu begeben und die Orte zu
erkunden, an denen die Freizeitkicker ihrem Hobby frönen. Doch so leicht
ist es nicht. Im Gegenteil: Die Suche nach der ganz normalen Bolzerei auf der
Wiese erweist sich als komplizierte Aktion mit hohem logistischen Aufwand.
 Beim BVB verweist man an die Stadt
Dortmund, Presseamt. »Keine Ahnung«,
verkündet die dort zuständige Dame
und rückt die Nummern der Sport- und
Freizeitbetriebe sowie des Katasteramts
raus. Dort gibt es keine profunden
Erkenntnisse, stattdessen diverse Nummern
des Jugendamts, wo der Fragesteller
an verschiedene Zuständige weitergeleitet
wird.
Schließlich weiß Frau Helweg Rat,
Ihre Auskünfte sind umfangreich, wenn
auch nicht gerade befriedigend. Die
klassischen Bolzplätze, die in Form von
Käfigen angelegt sind, gibt es in Hülle
und Fülle, 64 von ihnen sind über das
gesamte Stadtgebiet verteilt. Die Crux:
Sie sind Spielplätzen angegliedert und
ausdrücklich nur Kindern und Jugendlichen
zugänglich. »Wir verweisen Erwachsene,
die dort aufl aufen, vehement
des Platzes, notfalls auch mit Hilfe der
Polizei«, macht die resolute Frau Helweg
deutlich und liefert die Begründung
für dieses rigide Vorgehen gleich mit:
»Wir können doch nicht zulassen, dass
erwachsene Fußballer Kinder und Jugendliche
verdrängen, für die wir doch
die Plätze errichtet haben.«
Ausgewiesene Plätze für Freizeitkicker,
so die Auskunft, gäbe es nicht,
»und die Vereine«, so Frau Helweg, »werden
einen Teufel tun, ihre Plätze für
Hobbymannschaften frei zu machen.«
Doch was tut der Dortmunder, wenn er
am Fußball interessiert ist und das 18.
Lebensjahr erreicht hat? Vor der Glotze
abhängen, sich eine Jahreskarte des
BVB holen, in einen Verein eintreten?
Das kann doch nicht die gesamte Angebotspalette
sein. Das Gespräch mit Ansgar
Soll wird weiterhelfen. Der ist in der
Szene der Westfalenmetropole zuhause,
engagiert sich für die Organisation
»Ein Dach für Fans« und hat den Städteführer
Dortmund für die WM 2006 geschrieben.
Doch die Ausbeute ist auch
hier enttäuschend. Wo der wilde Tritt
gegen den Ball stattfindet, kann er nicht
sagen, »das Problem ist, dass hier alles
auf den BVB fixiert ist«.
Heidi Werneke ist die 1. Vorsitzende
der Dortmunder Freizeit-Fußball-Liga
(DFF). Sie weiß zu erzählen, dass 18
Klubs in zwei Gruppen am Spielbetrieb
teilnehmen. Früher seien es mehr als
doppelt so viele gewesen, »doch unsere
Liga blutet langsam aus, weil der Altersdurchschnitt
immer weiter gestiegen
ist.« Wo die jungen Fußballer hingewandert
sind, kann sie auch nicht so
genau sagen. Nur so viel: »Wilde Freizeitgruppen
sieht man so gut wie kaum
noch.« Norbert Dickel, Dortmunder Stadionsprecher,
vermutet, dass »viele von
denen, die früher auf der Wiese zwei
Stangen als Tore aufgestellt und losgezockt
haben, heute in die Soccerhallen
gehen.«. Im Hoeschpark, wo früher einfach
drauflos gekickt wurde, haben sie
nach dem Umbau die Nutzung reglementiert.
Dort sind die Plätze nun für den
unterklassigen Spielbetrieb der Kreisliga
C und den Betriebssport reserviert.
Einfach so geht dort wenig, weiß Heidi
Werneke zu berichten. »Das ist dort alles
straff organisiert mit Platzwart und
so.« Dennoch findet der Fußballfreund
auch in Dortmund Plätze, wo einfach so
drauflos gezockt wird. Wenn, dann aber
zumeist spontan und unorganisiert.
Eine ausgewiesene Bunte Liga oder eine
Wilde Liga gibt es in der Stadt nicht, dafür
befriedigen die DFF und die Nordstadt-
Liga den Drang nach Wettbewerbsfußball
außerhalb der eingetragenen
Vereine. | | | | | | | |
Autor: Felix Meininghaus Bilder: Matthias Hubert
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