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Bolzen-Stadt-Porträt, Teil 11: Bremen Noch viel Luft nach oben [28.11.07]
 In der Bundesliga mag sich die erste Mannschaft des heimischen Sportvereins Werder mehr und mehr als zweite Kraft hinter den übergroßen Bayern etablieren, in Sachen Freizeitfußball hat Bremen noch deutlich mehr Luft nach oben. Wer hier zünftig gegen die Lederkugel treten will, muss sich erst einmal auf die Suche nach einem brauchbaren Platz machen. |  Das ist auch Fernando Guerrero aufgefallen. „Es wird immer schwieriger, hier in Bremen Bolzplätze zu finden“, bestätigt Guerrero, der 1993 mithalf, die lokale Wilde Liga aus der Taufe zu heben und seitdem mit seiner Mannschaft „Stahl Eisen“ selbst um die Meisterschaft kämpft. Zur Gründungszeit bolzten die wilden Teams noch in der Pauliner Marsch unweit des Weserstadions, doch damit ist es längst vorbei. „Fast alle Plätze, auf denen man früher frei spielen konnte, wurden in den letzten zehn, 15 Jahren platt gemacht oder eingezäunt“, berichtet der Freizeitfußballroutinier bedauernd. Heute ist die Wilde Liga glücklich, sich wenigstens mit ein paar Vereinen einen Platz auf der Bezirkssportanlage Findorff teilen zu dürfen. Wer eine solche Gelegenheit nicht hat und auch nicht bereit ist, für das Bolzvergnügen auf den vorhandenen kommerziellen Indoor- und Outdoorplätzen zu bezahlen, dem bleiben nur wenige Möglichkeiten. Die meisten Einfach-nur-zum-Spaß-Kicker steuern die Grünflächen im Herzen der in der Weser gelegenen Werderinsel an. Hier tummeln sich an sonnigen Tagen oft mehrere hundert Fußballer gleichzeitig. Auf der Werderinsel findet sich übrigens fast immer ein Grüppchen, dem man sich auch als bisher Unbekannter anschließen kann – schön für alle, die nicht gleich in Mannschaftsstärke auflaufen. Neben diesem beliebten Fleckchen gibt es über die ganze Stadt verstreut immer mal wieder den einen oder anderen Fußballkäfig, von denen die meisten aber nicht in unbedingt brillantem Zustand sind. Beliebte Orte für die gemeinsame Jagd nach dem Ball sind darüber hinaus die Bremer Schutzwälle gegen Überflutung, allen voran der Osterdeich oberhalb des Stadions. Für Bremens Bolzszene bleibt zu hoffen, dass zumindest die wenigen existierenden Möglichkeiten für vereinslose Fußballer erhalten und freigegeben bleiben. Ansonsten heißt es für diese Spezies in der Hansestadt bald: In der Soccerhalle zahlen – oder die Fußballschuhe im Schrank lassen. |  1. Werderinsel
Wo?
Auf der Werderinsel, bei den Plätzen des ATS Buntentor.
Rollrasenfaktor?
Zieht man die große Belastung des Rasens in Betracht, ist er in erstaunlich gutem Zustand. Die Grashalme sind fast immer auf eine angenehme Länge gestutzt. Bis auf einige größere Schlaglöcher und die über die ganze Wiese verteilten Maulwurfshaufen gibt es hier nicht viel zu beanstanden. Allerdings sind nicht alle Teile der weitläufigen Anlage gleich gut. Ein Umzug auf das benachbarte Rasenstück kann sich durchaus lohnen.
Wer kickt hier?
Hier ist jeder willkommen. Viele Studenten aus der Neustadt, aber auch einige absolut tolerierte Vereinsteams nutzen die Plätze zum Kicken und Trainieren.
2. Uni-Campus
Wo?
Unterhalb des Sportturms, neben der offiziellen Sportanlage.
Rollrasenfaktor?
Da die kleine Rasenfläche direkt neben den Plätzen der Sportstudenten liegt, profitiert auch sie von der regelmäßigen Pflege. Dementsprechend gut ist der Zustand von Untergrund und Gras. Es gibt zwar keine Tore, Seitenlinien oder sonstigen Firlefanz, aber ein paar Rucksäcke als Torpfosten genügen und schon kann die Pause zwischen zwei Vorlesungen exzellent sportlich überbrückt werden. Mehr als zehn Leute sollten sich aber nicht um den Ball streiten wollen, dann wird es nämlich ein bisschen zu eng.
Wer kickt hier?
Studenten und Mitarbeiter der Universität bespielen diesen Platz exklusiv.
|  3. Leibnizplatz
Wo?
Zwischen Schule und Polizeistation.
Rollrasenfaktor?
Wer hier bolzt, hat schon nach wenigen Minuten vergessen, dass so etwas wie Rollrasen überhaupt existiert. Der Untergrund ist sehr sandig und nicht gerade ebenerdig, Spieler mit unterschiedlich langen Beinen hätten hier vermutlich große Vorteile. Immerhin gibt es zwei kleine Tore und eine ausreichend hohe Umzäunung, so dass der Ball nicht ständig von der direkt angrenzenden Kreuzung gerettet werden muss. Der Platz gehört übrigens der Schule am Leibnizplatz, ist aber ausdrücklich für jedermann freigegeben.
Wer kickt hier?
Hauptsächlich die Schüler von nebenan, dazu die Jungs und Mädels aus den umliegenden Straßen.
4. Oldenburger Straße
Wo?
Schräg neben der Brauerei, direkt an der B 75.
Rollrasenfaktor?
Dieser Platz ist genau der richtige für alle Fußballer mit Grasallergie. Grünflächen finden sich nur außerhalb des Käfigs, drinnen muss der geneigte Kicker mit recht grober Asche vorlieb nehmen. Darunter mischen sich im Herbst die zahllosen Blätter der umstehenden Bäume, was eine rutschige, aber durchaus bespielbare Oberfläche ergibt. Definitiv nicht empfohlen sei dieser Platz denjenigen, die es beim Bolzen gerne ruhig und idyllisch haben. Das Getöse der nahen Bundesstraße sorgt nämlich für einen hohen Nervfaktor.
Wer kickt hier?
Selten überhaupt jemand. Guter Tipp für alle, die einen Platz zum ungestörten Bolzen suchen.
5. Theodor-Billroth-Straße
Wo?
Schräg gegenüber der Volkshochschule Kattenturm.
Rollrasenfaktor?
Ein Beispiel für die Fußballkäfige, die über die etwas abseits vom Stadtkern gelegenen Stadtteile Bremens, wie Gröpelingen, Tenever oder eben Kattenturm verteilt sind. Wie auf fast allen anderen Plätzen dieser Art gibt es auf diesem Platz roten Sand statt grünem Gras, sprunggelenkgefährdende Unebenheiten hier und da inklusive. Diese Plätze benötigen eh schon nicht allzu viel Pflege, allem Anschein nach bekommen sie oftmals leider noch weniger. In Gegenden mit wenigen freien Flächen dennoch unverzichtbar.
Wer kickt hier?
Meistens Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Siedlungen und Hochhäusern.
6. Am Deich / diverse Stellen
Wo?
Zum Beispiel am Osterdeich und am Habenhauser Deich.
Rollrasenfaktor?
Die Qualität des Untergrunds schwankt von Ort zu Ort, ist meist aber ganz ordentlich. Grünes Gras gibt es am Deich überall und ständig. Fußballer müssen sich die Deiche aber mit vielen anderen Bremern teilen, die mit ihrem Hund Gassi gehen oder einfach nur relaxen wollen. Die Deiche sind daher eher für den Kick zwischendurch als für ambitionierte Wettkämpfe geeignet. Vorsicht vor dem Wasser – es wäre sicher nicht das erste Mal, dass die Weser einen Fußball mit auf den Weg in die Nordsee nimmt.
Wer kickt hier?
Am Osterdeich viele Leute aus dem angrenzenden Viertel, sonst jeder, der einen Ball hat und etwas Platz zum Bolzen sucht.
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Autor: Jens Otto Bilder: Alena Mumme
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