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BOLZEN-Sprechstunde bei Bernd Restle, Teil 2 »Ist Sex vor dem Spiel schädlich?« [12.10.05]
Bei der »4 Plus Eins«-Turnierserie im Sommer wollten wir von euch wissen, was ihr einen Sportmediziner schon immer fragen wolltet. Die dringendsten Fragen haben wir an den Düsseldorfer Physiotherapeuten Bernd Restle weitergeleitet.
 Wie kann ich eine Knöchelprellung schneller heilen? (Maxi Gaub, 30 Jahre, München)
Bei einer frischen Prellung ist ein kühlender Druckverband die erste Maßnahme. Jeder hat wahrscheinlich Quark im Kühlschrank. Den kalt auf die Prellung auftragen und mit einem kalten Tuch fi xieren. Das wirkt abschwellend, entzündungs- und schmerzlindernd. Anschließend abspülen,
Sportsalbe aus der Apotheke auftragen und
einen Verband anlegen.
Hilft Magnesium gegen Muskelkater?
(Christian Brandt, gefühlte 35, Hamburg)
Magnesium dient dazu, den Energiehaushalt dahingehend zu unterstützen, dass muskuläre Ermüdung später oder noch besser gar nicht eintritt. Aber Vorsicht: Wer zu viel nimmt, kriegt Magenkrämpfe und Durchfall.
Wie kann man Krämpfen vorbeugen? Was
tun, wenn sie erst mal da sind? (Sven, 27,
Berlin)
Vorbeugen durch eine allgemein gute körperliche Verfassung. Wenn ich nur einmal im Jahr Sport treibe, muss ich mich nicht wundern. Dazu kommt die richtige Ernährung und genügend Flüssigkeit. Wenn ein Spieler Krämpfe hat, sollte er sich auf den Rücken legen. Ein Mitspieler nimmt dann
die Beine im 60-Grad-Winkel – wie eine
Schubkarre – und schüttelt sie aus.
Wie werde ich nach drei Jahren meine Leistenzerrung los? (»Vize«, 29, Köln)
Drei Jahre? Es kann sein, dass durch eine
Schonhaltung, ein Kraftverlust eingetreten ist. Den kann man auf dem konservativen Weg durch Kräftigung der Rumpfmuskulatur beheben. Wenn sich aber nach vier Wochen kein Ergebnis zeigt, sollte man den Gedanken einer OP ins Auge fassen.
Ist Sex vor dem Spiel schädlich für die
Kondition? (Hauke Schon, 28, Kiel)
Das kommt auf die Intensität an. Fünf Minuten sollten bei einem jungen, gesunden Mann kein Problem sein, aber bitte ruhig und kontrolliert. Man sollte auf keinen Fall eine dreistündige Gewaltnummer abziehen.
Arthrose und Bolzen: Wie geht das zu-
sammen? (M. Backes, 23, München)
Das geht, wenn der Betroffene über eine sehr starke Muskulatur verfügt, die es ihm erlaubt, alle Bewegungen muskulär auszuführen.
Bis zu welchem Alter kann ich spielen? (Virgilio Pelayo jr., 26, Aachen)
Das hängt davon ab, wie lange man bereit ist,
eine gute Muskulatur zu erhalten. Bis 35 ergibt
sich das durch Training und Spiele quasi automatisch. Anschließend komme ich aber nicht drum herum, mich selbst zu überprüfen. Und dann
ist zu empfehlen, zwei-, dreimal die Woche 45 Minuten kräftigende Maßnahmen durchzuführen, um den nötigen muskulären Schutz aufzubauen.
Kann ich mit zehn Tassen Kaffee meine Reaktionsfähigkeit verbessern? (Rene Hansen, 25, Leipzig) Alles, was über vier Tassen geht, würde in der Bundesliga automatisch zur Sperre wegen Dopings führen. Der Freizeitfußballer würde sich also in eine Aufputschsituation begeben. Nur empfehlen kann ich das nicht, denn es gibt keinen Menschen, dessen Magenschleimhaut zehn Tassen Kaffee optimal verarbeitet.
Muss ich mich wirklich warm machen? (Hauke Meyer, 33 Jahre, Bremen) Langes Einlaufen und Dehnen werden heute kaum noch gemacht. Moderne Trainer fangen meist mit Mischbelastungen, also ganz lockerem Spielen, an und steigern das langsam. Danach wird höchstens noch kurz angedehnt, fünf bis acht Sekunden pro Muskelgruppe.
Welche Sportler verletzten sich am we-
nigsten? (Johannes Bornewasser, 22, Düsseldorf) Schwimmer.
Auf die Fußball-WM im nächsten Jahr genießt Bernd
Restle beste Sicht. Der Düsseldorfer gilt als einer der erfahrensten Physiotherapeuten des Landes und arbeitet deshalb seit fünf Jahren für die deutsche Nationalmannschaft. Den ersten Kontakt mit dem Profi-Fußball erlebte der heute
50-Jährige, als er 1979 per Annonce zur A-Jugend von Fortuna Düsseldorf und von dort dank Otto Rehhagel zur Bundesliga-Mannschaft kam. 35.000 Knie-Rehas und 50.000 behandelte Muskelverletzungen später arbeitet Restle heute mit 27 europäischen Vereinen zusammen – 365 Tage und Nächte. Wenn sich ein Spieler im Montagsspiel der 2. Liga oder einer Champions-League-Partie verletzt, klingelt oft im Therapiezentrum an der Rosmarinstraße das Telefon und Restle behandelt noch bis morgens um drei, damit der Rekonvaleszent zu seiner Mannschaft zurückkehren kann. | | | | | | | |
Autor: Christian Herrendorf
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