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Bolzen-Umkleidekabine, Teil 4 Heute: Der Ball [07.04.06]
Angefangen hat es mit Kohlrüben, Kokosnüssen, Filzlumpen,
Schweinsblasen oder gar Totenschädeln. Mit den modernen Spielregeln
kamen Ende des 19. Jahrhunderts auch die ersten Lederbälle. So wie das Spiel hat sich auch der Hauptdarsteller seitdem immer weiterentwickelt. Aus der behäbigen braunen Lederkugel ist – die richtige Schusstechnik vorausgesetzt – ein pfeilschnelles Hightech-Spielgerät geworden.
 Doch noch immer pflegen Fußballer ein mitunter sinnliches Verhältnis zu diesem vielleicht genialsten Spielzeug der Welt. Ob die Hülle aus Leder oder Kunststoff ist, tut ihrer Liebe keinen Abbruch. Denn trotz aller technischen Weiterentwicklungen hat sich eines nie verändert: Nur wer den Ball nicht als Fremdkörper, sondern als Freund behandelt, kann damit glänzen. Und selbst gestandenen Männern, die auf und neben dem Platz schon alles gesehen haben, erscheint der Ball zuweilen als lebendiges, liebenswertes, oftmals auch launisches Wesen, dessen Inneres durchaus nicht nur Luft, sondern auch so etwas wie eine Seele enthält. | Es ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, aus möglichst wenigen Teilen eine möglichst runde Kugel zu schaffen. Bis zur WM 1970 bestanden Bälle fast ausschließlich aus 18 bzw. 26 länglichen Lederstreifen. Seitdem dominiert das auf den amerikanischen Architekten Richard Buckminster Fuller zurückzuführende Design aus 20 Sechsecken und zwölf Fünfecken. Die 24 Teile des v1.06 von Puma reduzieren nicht nur jene Punkte, an denen drei Nähte aufeinander treffen, sondern machen den Ball dank der völlig neuen Konstruktionsform messbar runder.
Bei den Flugeigenschaften eines Balles scheiden sich die Geister. Schnell und präzise wünschen ihn sich Stürmer und Zuschauer, ruhig etwas langsamer hingegen Torhüter und Abwehrspieler. Die Botschaft des v1.06 ist eindeutig: Das v steht für Geschwindigkeit. Die an einen Golfball erinnernden winzigen Dellen sorgen beim Flug für einen länger haftenden Luftfi lm sowie weniger Luftstrudel und machen den Ball spürbar schneller.
Beim Außenmaterial dominieren seit langem synthetische Stoffe. Der vielseitig einsetzbare Kunststoff Polyurethan hat längst die Hülle aus Leder abgelöst. Die Entwicklungen aus dem Reagenzglas machen den Ball langlebiger, pflegeleichter und unempfindlicher gegenüber Nässe. Ein moderner Ball behält auch bei strömendem Regen Form und Gewicht. Wer jemals versucht hat, einen nassen Lederball aus den 50er Jahren zu köpfen und dabei gar die Ventilstelle traf, weiß den technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte durchaus zu schätzen.
Das Innenleben eines Balles bleibt den meisten Fußballern glücklicherweise verschlossen, so lange die Nähte halten. Als Blase müssen schon lange nicht mehr Schweinsblasen herhalten. Stattdessen werden Latex oder Butyl verwendet. Naturlatex – wie in diesem Ball – bietet noch immer die besten Spiel- und Sprungeigenschaften. Der ideale Luftdruck eines Fußballs beträgt circa 0,8 Bar.
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Der Puma v1.06 wird unter anderem von der italienischen Nationalmannschaft, dem VfB Stuttgart und dem HSV gespielt. Der Ball gewann dank seiner überzeugenden noch runderen Konstruktionsform den IF Produkt Design Award 2006. Er kostet 100 Euro.
In dieser Serie bisher erschienen:
Folge 1: Der Fußballschuh (Bolzen #3)
Folge 2: Das Fußballtrikot (www.bolzen-online.de)
Folge 3: Der Torwarthandschuh (Bolzen #4)
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Autor: Ronald Kaduk
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