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TRICKKISTE

Bolzen-Umkleidekabine, Teil 5
Heute: Die Hose [16.05.06]

Im Vergleich zum Trikot fristet die Hose bei Fußball-Fans ein Schattendasein. Nur wenige Anhänger drücken ihre Vereinsliebe durch den Kauf der passenden Hose aus. Wenn doch, kommt sie vor allem auf dem Sportplatz, nicht jedoch in der Stadionkurve oder an der Theke zum Einsatz. Das ist gut so, denn diese Hose will spielen.

Bolzen-Umkleidekabine, Teil 5Die Fußballhose ist und bleibt vor allem ein Kleidungsstück für aktive Spieler. Ihre Funktion ist dabei klar defi niert: Sie soll das Geschlecht verdecken und ein möglichst komfortables Rennen, Grätschen und Schießen erlauben. Ihr Schnitt ist einfach und ihr Einsatzbereich riesig: Ob Sonne, Regen oder Schnee, ob Afrika oder Kanada – sie bleibt kurz und dünn. Vor allem im Winter und ohne warme Unterhosen ein Kleidungsstück für harte Kerle. Kein Wunder, dass die Hose auch in ihrer zivilen Form Jahrhunderte lang als Machtsymbol des Mannes galt. Frauen war das Tragen strengstens verboten. Dies hat sich erst in den sechziger Jahren grundlegend gewandelt. Längst haben nicht mehr nur Männer die Hosen an. So ist auch die einstige Bastion der Männlichkeit inzwischen unisex. Daran änderte auch Franz Beckenbauers einstige Forderung, dass Frauen doch bitte in Röcken Fußball spielen sollen, nichts.
In der Form bietet eine Fußballhose nur begrenzten Spielraum für kreative Designer und Spieler. Sie kann etwas länger und weiter getragen werden, wie dies die frühen Fußballhelden bis Ende der 50iger Jahre taten. Die enge und kurze Form hingegen greift zurück auf den Stil der siebziger und achtziger Jahre. Wie überall in der Mode gibt es auch auf den Bolzplätzen nicht mehr nur einen dominierenden Schnitt. Es entscheiden der persönliche Geschmack und der Umfang der Oberschenkel.
Das Material dieser und fast aller erhältlichen Fußballhosen ist Polyester. Längst hat das synthetische Material wie bei den Trikots die Baumwolle abgelöst. Doch Polyester ist nicht gleich Polyester. Es kann sehr variabel verarbeitet werden. Die Qualitäts- und Preisunterschiede zeigen sich in der Fähigkeit, den Schweiß nach außen zu transportieren und in der Haptik – also wie sich das gute Stück anfühlt.
Unter der Gürtellinie herrscht in der Wahl der Farben fast Stillstand. Für modische Alleingänge bleibt wie bei allen Mannschaftssportarten wenig Raum. So beugen sich auch die meisten Freizeitteams dem Diktat der vorherrschenden Clubfarben. Schwarz, Weiß, Blau, Grün und Rot dominieren. Der bolzende Dandy zeigt sich erst auf den zweiten Blick. Dieser variiert subtil mit den vorgegebenen Farben und überrascht unter anderem mit immer neuen Rot-Tönen.
Auch bei der Hose zeigt sich einmal mehr die Sonderrolle des Torwarts. Während sein Trikot sich ohnehin von dem der Spieler unterscheiden muss, kann er hier frei entscheiden. Er kann sich einfach aus dem Mannschaftssatz bedienen oder ein individuelles Beinkleid wählen. Die meisten Torhüter bevorzugen nach wie vor etwas längere Hosen. Falls sie diese selber waschen müssen, gern auch in der klassischen Torwartfarbe Schwarz.

Autor: Ronald Kaduk
Bilder: Holger Risse


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