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TRICKKISTE

Freestyle-Fußball
Gottschalks Goldgräber [04.12.07]


Freestyle-FußballWenn Jacek Roszkowski nicht als Briefträger in Bonn arbeitet, verdient er sein Geld als Deutschlands bekanntester Ballzauberer. Besonders häufig gebucht wird er von den Gebrüdern Gottschalk. „Jacek“ profitiert von der Expansion der Samstagabendshow „Wetten dass…“. Die bisherigen Stationen hießen: Freiburg (2003), Peking (2004), Warschau (2006) und Los Angeles (2007).
Freestyle-FußballWie kam es eigentlich zu der ungewöhnlichen Fernsehkarriere?

Ich hatte mich vor zwölf, dreizehn Jahren bei Thomas Gottschalk beworben, bin aber zunächst abgelehnt worden. Dann sahen mich die ZDF-Mitarbeiter irgendwann bei „Stefan Raab“ und zusammen haben wir dann diese Kür mit dem Basketballkorb entwickelt. In Freiburg bin ich prompt Wettkönig geworden, obwohl mein Wettpate nicht daran geglaubt hat. Ozzy Osbourne hat vorher zu mir gesagt: „You´re crazy, man!“

Wie hoch ist der Schwierigkeitsgrad deiner Wette einzuschätzen?

Allein den Ball mit dem Nacken zu fangen, ist schon recht schwierig. Ihn dann zusätzlich in einen Basketballkorb zu köpfen und ihn hinterher wieder aufzufangen, insgesamt zehnmal, ohne Bodenkontakt, in zweieinhalb Minuten, das erfordert besondere Fähigkeiten.

Selbst für einen Freestyle-Profi wie dich?

Ich hatte vor „Wetten dass…“ schon über 400 öffentliche Auftritte absolviert. Das ist aber nicht zu vergleichen mit einer Live-Sendung vor Millionen Zuschauern. Wenn da etwas schief geht, kriege ich keine Jobs mehr. Die Folge: Ich war während der Sendung extrem aufgeregt, obwohl ich vorher ein Jahr lang geübt hatte.

Wie funktioniert der berühmte Nackentrick?

Wenn man den Ball nach oben spielt, muss man ihn im Auge behalten und gleichzeitig mit dem Oberkörper nach unten gehen. Man muss sich der Geschwindigkeit des Balles anpassen, damit dieser abfedern kann. Und man sollte halt schon ein bisschen Ballgefühl haben…
Freestyle-FußballWie unterscheiden sich die verschiedenen „Wetten dass…“-Sendungen voneinander?

In Deutschland war es am professionellsten, da wurde nichts dem Zufall überlassen. Man merkt, dass die Show hier schon seit fast 30 Jahren läuft. In China war die Euphorie während der Sendung viel größer. Die Zuschauer lachten, schrieen, standen auf, das war der absolute Wahnsinn. In den USA musste man vorher erstmal 50 Zettel ausfüllen. Die wollten unter anderem wissen, wo ich schon überall gearbeitet habe, wann ich meinen Führerschein gemacht habe und wo meine Kollegen und Freunde wohnen. Die haben wohl gedacht, dass ich mit Handgranaten jongliere…

Hast du in Los Angeles etwas von der angeblichen Fußball-Euphorie bemerkt?

An den Kaufhäusern klebten riesige Beckham-Plakate; ein paar Leute sind auch in Galaxy-Trikots herumgelaufen. Ich habe David Beckham aber nicht getroffen. Der versteckt sich dort wohl irgendwo in den Bergen (lacht).

Wie viele Fernsehzuschauer haben deine Tricks mittlerweile gesehen?

Ich kenne die genauen Einschaltquoten nicht, aber normalerweise schauen in Deutschland 20 Millionen, in China angeblich bis zu 100 Millionen. In den USA, wo die Sendung gerade erst beim Fernsehkanal ABC gestartet wurde, rechnet man mit 80 Millionen, zur Hauptsendezeit.
Freestyle-FußballKlar, dass die Werbeindustrie längst auf dich aufmerksam geworden ist.

Vor ein paar Jahren habe ich in einem Werbespot mit Ronaldinho mitgespielt. Der brasilianische Star war damals gerade 17 Jahre alt. Wir haben uns ein bisschen die Bälle zugespielt, jeder ein paar Tricks gemacht. Ich habe ihm damals gezeigt, wie der Nackentrick geht. Er konnte sehr gut mit dem Ball umgehen, aber den Trick kannte er noch nicht. Für einen anderen Spot habe ich gerade mit Christoph Metzelder und Miroslav Klose im Olympiastadion in Berlin gekickt.

Wohin schicken dich die Gottschalks als nächstes?

Australien wäre vielleicht noch etwas. Insgesamt gibt es zwölf Länder, die die Lizenz für die Sendung besitzen. Nach Amerika wollte ich eigentlich schon nicht mehr. So ein Auftritt ist auch immer mit viel Stress verbunden. Ich muss die Wette jedes Mal neu trainieren, muss mir Urlaub bei der Post nehmen und weiß schon vorher, welch enormes Lampenfieber mich erwartet.

Was sind das sonst für Veranstaltungen, bei denen du jonglierst?

Zu meinem täglichen Brot gehören genauso auch kleinere Auftritte. Einmal habe ich zur Eröffnung eines Weihnachtsmarkts in Hamm in Westfalen auf dem Eis jongliert, in Schlittschuhen, moderiert von Ulli Potofski. Alles, was ich für mein Handwerk brauche, ist ein normaler Ball, eine Ballpumpe und ein kleines Bier (lacht).

Hast du eigentlich selbst mal Fußball gespielt?

Bis vor kurzem habe ich in der Kreisliga gekickt, allerdings als Torwart. Mein Vater hat mich früher immer ins Tor gestellt und täglich mit mir trainiert. Ich habe aber trotzdem immer mit dem Ball jongliert, zusammen mit meinen Freunden. An einem Tag hat der eine 1000 Mal ohne Bodenberührung geschafft, am nächsten ein anderer 1250. Heute jongliere ich bei Weltrekordversuchen schon mal 16 Stunden am Stück, da kann keiner mehr mitzählen.

Merkst du als alter Hase etwas vom Boom des Freestyle-Fußballs?

Man hat mittlerweile fast das Gefühl, die Jugendlichen wollen nicht mehr auf zwei Tore spielen. Neulich bin ich auf einer Fußballmesse in Salzburg aufgetreten. Da haben mir ein paar Jugendspieler von Red Bull Salzburg einige Tricks gezeigt, die ich noch gar nicht kannte. Dass Freestyle immer mehr zum Trendsport wird, verdanken wir dem modernen Fußball. Spieler wie Ronaldinho bauen immer wieder Tricks in ihr Spiel ein. Früher kannte man das allenfalls von Diego Armando Maradona.

Welchen Anteil hat YouTube an dem Phänomen?

Wir haben unsere Rivalität früher auf der Straße oder auf dem Schulhof ausgelebt. Heute stellen die Jugendlichen ihre Videos einfach ins Internet. Oder sie filmen mich bei meinen Auftritten und laden anschließend meine besten Tricks hoch, zum Beispiel im Sommer nach dem Streetsoccer-Finale in La Manga in Spanien. Bei dem Spiel hat Zinédine Zidane den Ball mit der Vespa aufs Feld gebracht.

Wie lange kann man als Fußball-Freestyler arbeiten?

Paul Sahli aus der Schweiz ist über 50, Alfred Reindl aus Bayern über 40 – und die sind immer noch unterwegs. Ich schaue jetzt aber erstmal auf die Europameisterschaft, war in den letzten Wochen schon fünfmal in Österreich und dreimal in der Schweiz. Während der EM werde ich die ganze Zeit dort sein. Bei der WM war ich auch für viele Veranstaltungen drum herum gebucht, habe aber leider kein einziges WM-Spiel im Stadion gesehen. Hoffentlich ist das diesmal anders!

Autor: Thorsten Schaar
Bilder: Presse


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