Dass es beim Fußball ab und zu auch um Geld geht, wird dem interessierten Anhänger des Spiels fast täglich vor Augen geführt. Selbst jenseits des Westfalenstadions und nationaler Schiedsrichtertagungen kommt es in Fachgesprächen immer häufiger zu ungeahnten Doppelpässen zwischen Fitness und Finanzen.
Wenige Stunden vor dem großen BOLZEN-Finale in Bochum prallte dieses prosaische Stück Fußballrealität mit seiner ganzen Härte auch auf unsere Redaktionstische. Der souveräne Gewinner des Berliner Qualifikationsturniers – der „FC Pleitegeier“ – musste nach sorgfältiger Überprüfung seines Finanzhaushalts auf das Kräftemessen tief im Westen verzichten.
Waren es beim „FC Pleitegeier“ die bereits im Vereinsnamen manifestierten monetären Engpässe die eine Reise nach Bochum verhinderten, mussten der „FC Magnete Mitte“ und die „Abschmecker“ sich nicht ihrem Kassenwart, sondern ihren Körpern beugen. Beide Teams beschäftigt derzeit mehr die Frage nach den besten Berliner Orthopäden und Physiotherapeuten als die Feinabstimmung der Innenverteidigung.
Doch der Osten ist für den großen Showdown der Bolzheroen noch nicht ganz verloren. Neben der souverän qualifizierten Mannschaft „Jagdhaus“ wurde das im Viertelfinale denkbar knapp gescheiterte „Man’ U Team 03“ für das BOLZEN-Finale nachnominiert.
Die Spieler um Kapitän Stefan Stelter bereiten sich mit dem entspannten Gefühl des Außenseiters auf das Turnier vor. Das mit einem äußerst schlanken Spielerkader anreisende Team vertraut in den drei Gruppenspielen vor allem auf die Reflexe seines Torwarts „Joker“ und die Routine des Alters. Glücklicherweise sind alle sechs nach Bochum reisenden Spieler fit und voll im Saft. Deshalb genügte als Turniervorbereitung auch eine kurzfristig einberufene Telefonkonferenz. Ohne dass taktische Feinheiten dieser Besprechung nach außen gedrungen wären, erwarten Experten eine stark am Spiel des Gegners orientierte defensive Grundausrichtung.
Die Mannschaft des Berliner Restaurants „Jagdhaus“ hingegen kann sich weit mehr als nur Außenseiterchancen ausrechnen. Der dritte des Berliner Qualifikationsturniers gewann bis auf eine knappe Niederlage gegen den späteren Gewinner „FC Pleitegeier“ alle Spiele. In Bochum wollen die ballsicheren Gastronomen beweisen, dass sie auch auf fremdem Platz schwer zu schlagen sind. Mit dreizehn bis vierzehn Spielern anreisend, kennt die fast täglich trainierende Mannschaft ihre Stärken. Deshalb hat sie auch auf eine spezielle Turniervorbereitung verzichtet. Kapitän und Spielmacher Yücel Akpolat hat jedoch gleich für das erste Spiel gegen „Lok Semelweis“ klare taktische Vorstellungen. Ein offensiv ausgerichtetes, auf Sturmstar Ibo zugeschnittenes Spiel und eine „gute Strategie“ sind für ihn selbstverständlich. Doch die wirklich wichtigen Duelle gewinnt man nach Yücels Meinung nur durch „absolut verrücktes Spiel“.