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Qualifikation Ost - Im Berliner Käfig der Emotionen [29.01.06]
 Während sich draußen Schnee und Regen ein eher müdes Duell lieferten, wurden die Soccer-Hallen in Berlin-Marienfelde zum elektrisierenden Käfig der Emotionen. Wie bereits im Vorjahr war die Hauptstadt ausnahmsweise mal nicht das Ziel aller Träume, sondern nur das Vorspiel für all jene Mannschaften, die sich dem Finale in Mönchengladbach aus östlicher Himmelsrichtung nähern wollten.
|  Mit am Start waren mit den Berlin Hotspurs und dem Emerald FC auch zwei englischsprachige Teams. Beide hatten allerdings Probleme mit einer Grundvoraussetzung für erfolgreichen Fußball: Mehr Tore als der Gegner zu erzielen. Ganz im Gegenteil zu dem in goldfarbene Trikots gehüllten Open Team aus Delitzsch. Dieses zeigte sich vom ersten Spiel an, in dem Bemühen einen der vier Qualifikationsplätze zu sichern, ausgesprochen torhungrig. Nicht nur in der Vorrunde wurden die gegnerischen Torhüter fast im Minutentakt gedemütigt.
| Im Viertelfinale erlitten Herbergers Erben mit 13:3 dasselbe Schicksal und wurden auf den immerhin mit weichem Kunstrasen gepolsterten Boden der Tatsachen geholt. Nicht ganz so leicht machten es den sächsischen Youngstern die abgezockten Kreativkräfte vom Team WMF Karaoke Mitte im anschließenden Halbfinale. Das Spiel war nicht nur nach Meinung von DJ Hendrik das beste des Turniers. Allein das Ergebnis von 10:8 lässt auch phantasiearme Fußballer erahnen, was sich hier in zwanzig Minuten abspielte.
| Erst im Endspiel fand Open Team seinen Meister. Gegen die Mannschaft von Lokomotive Semmelweis blieben die noch kurz zuvor so erfolgreichen Schüsse von Sturmtank Matthias Reichelt und Spielmacher Roman Becker wirkungslos. Dies lag nicht zuletzt an dem überragenden Lok-Torwart Andreas Pfaff. Der ehemalige Handballtorwart parierte mehr als einmal unkonventionell, aber großartig. Das Finale war zugleich ein Clash der Spielkulturen. Gegen die wesentlich reifere und äußerst kontrolliert, fast nordisch unterkühlt spielende Mannschaft um Till Schwertfeger fanden die sächsischen Heißsporne kein Rezept. Mit letzter Kraft, von Krämpfen geplagt und schwer schnaufend, rettete die 1991 in Neumünster ins Leben gerufene und inzwischen in die Jahre gekommene Lok ein 4:2 über die Zeit.
| Bis auf eine Ausnahme haben die Spieler das heimatliche Schleswig-Holstein inzwischen allesamt verlassen und leben über die gesamte Republik verteilt. Ihr Auftritt in Berlin hat allerdings nachdrücklich bewiesen, dass sich einmal einstudierten Ballpassagen auch ohne gemeinsames Training erstaunlich lange konservieren lassen.
| | Das Open Team, das nicht nur den stimmgewaltigsten Anhang mitgebracht hatte, sondern schon hochmotiviert zwei Stunden vor Turnierbeginn in der Halle aufgetaucht war, hatte die knappe Niederlage spätestens in dem Moment verarbeitet, als es das Bolzen-Partyfass „auf ex“ leerte. Fast folgerichtig wurden die Delitzscher auch von den anderen Mannschaften für den Paul-Gascoigne-Award nominiert. Gemeinsam mit den Berlinern vom Team WMF Karaoke Mitte und dem vierten Halbfinalisten – den Sportfreunden Hammergrund aus Ilmenau – konnten sie sich bei frisch Gezapftem ganz der wunderbaren Gewissheit hingeben, sich bald beim Finale in Mönchengladbach mit den talentiertesten Bolzern Deutschlands messen zu können. | | |
Autor: Ronald Kaduk Bilder: Torsten Schaar
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