|
|
 |
|
Schlamm-Fußball bei Oma Grätsche mit dem Gummistiefel: Watt-Meisterschaften beim Bolzen-Festival-Cup [01.08.07]
 Dass der Bolzen Festival-Cup auf dem Omas Teich-Festival im ostfriesischen Großenfehn kein Kunstrasenkick mit peniblem Platzwart werden würde, war ob der Nähe zur Nordsee und der vorangegangenen Schlechtwetterfront im Vorfeld bereits abzusehen. Dass es auf dem tiefen Geläuf des Campinggeländes des seit 1998 stattfindenden Omas Teich-Festivals allerdings zu einer wahren Schlammsschlacht kommen würde, hatten wohl nur die Teilnehmer diverser norddeutscher Watt-Fußballmeisterschaften erhofft.
Am Tag der Festivaleröffnung, an dem unter anderem Superpunk und die Schotten Aereogramme umjubelte Konzerte spielten, hatten zügig 16 euphorisierte Mannschaftskapitäne ihr Team angemeldet und einzig ob des Spielorts bereits kritisch die Augenbraue hochgezogen. Denn die Fläche, die am Eingang des Campinggeländes vom Sicherheitspersonal eigens freigehalten wurde, hatte sich durch das nimmermüde Herankarren von Zelten, Campingutensilien und Bierkästen bereits am Freitag in einen echten Acker verwandelt. Darüber freuten sich die Veranstalter des Bolz-Turniers allerdings mehr als die teilnehmenden Teams, von denen vier ihre Anmeldung kleinlaut wieder zurückzogen. Als dann endlich losgekickt werden durfte, zeigte sich schnell, dass bei dem Festival vor allem physische Bands aus dem Rock-, Punk- und Hardcore-Segment aufspielten. Denn der Musik entsprechend ging es auf dem „Platz“ sofort hart, aber fair zur Sache. Nicht vorhandene Seiten- und Torauslinien wurden großzügig interpretiert, ab und an wurde sogar im Stil von Eishockey hinter dem Tor weitergefightet. Und waren die Spieler erst einmal vernichtend im Dreck gelegen, fielen bei den meisten die Hemmungen vor weiteren Rettungstaten. |  Dabei fiel schnell auf, dass sich in der ersten Runde des Turniers nicht unbedingt die Mannschaften mit den besten Fußballern durchsetzten, sondern eher Teams mit Biss und reichlich Ersatzklamotten im Zelt. So mussten unter anderem der „VfL Deichmann“, das Fanzine-Team „Blueprint“ und die „Zuckerkettchen“ früh die Segel streichen. Ob sie wussten, dass ein Berliner Musikmagazin unfreiwillig zum Zeugwart wurde, weil man an ihrem Stand verdreckte Festival-Shirts gegen neue Shirts mit dem Konterfei des Blattes tauschen konnte? Wohl eher nicht. In der Vorschlussrunde spielten die „Tippkicker“ aus Aurich und das Team „Fünf Freunde“ aus Oldenburg bei einem zehnminütigem ostfriesischem Hagelschauer beinahe schon Wasserball, wobei das Team mit der Reminiszenz an Enid Blyton mehr Matsch und damit auch öfter den Ball im gegnerischen Tor unterbrachte. Zu allem Überfluss brach bei diesem Spiel das eigentlich überaus stabile Bolzen-Tor zusammen, weshalb es im Stile der legendären Partie zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund (man erinnere sich an die mit einem Zollstock vollführten Verrenkungen von Günther Jauch) mit reichlich Panzertape aus Reihen des Festivalpublikums repariert werden musste. Letztlich spielten von den zwölf teilnehmenden Teams drei in einer Finalrunde den Sieger aus. Dabei kam es allerdings zum Putt im Watt: Sowohl die „Fünf Freunde“ als auch die Teams „Lars Action Heroes“ und „Dicknacktfrechundfroh“ erzielten einen Sieg und eine Niederlage bei unwesentlich unterschiedlichem Torverhältnis. So musste das Bolzmeterschießen - vom einen Tor wird das leere andere Tor in 15 Metern Entfernung anvisiert - über den Sieger bei Omas Teich entscheiden. Dabei machte der matsch-morastige Untergrund jegliches flaches Ballgeschiebe ebenso unmöglich wie an der Torwand. Besonders viel Pech hatte das Festivalteam aus Ganderkesee „Dicknacktfrechundfroh“, dem nicht nur ein Pfostentreffer gelang, sondern denen auch ein zielgenauer Schuss genau auf der Torlinie verhungerte. |  So setzten sich schlussendlich die „Fünf Freunde“ mit einem Treffer bei fünf Schützen durch und durften die begehrten Rucksack-Taschen von 11Freunde abstauben. Die Freude über die Gewinne überwog bei den Teams auch über die angesäuerte Erkenntnis, dass es auf dem Omas Teich-Festival zwar später noch Tomte zu bestaunen gab, aber leider keine Duschkabinen von innen. Dennoch werden sich alle Beteiligten noch länger an dieses Bolz-Turnier erinnern und sich wohl demnächst auch zum Schlick-Kicken bei der Watt-WM anmelden.
Bolzen sagt: Leinen los!
Für alle, die nicht genug bekommen: Am kommenden Wochenende (3./4. August) findet das legendäre Haldern-Pop-Festival statt. Logisch, dass auch die Bolzen-Festival-Tour hier Halt macht, um Euch mit dem runden Leder zu beglücken. Zwischen Top-Acts wie Jan Delay und Shout Out Louds könnt ihr mit uns beruhigt das Bolz-Bein schwingen. Und gute Nachrichten für alle Wattwürmer des Westens: Es soll Regen geben…
www.haldern-pop.de
| | | | | |
Autor: Christoph Dorner Bilder: Christoph Dorner
Als Mail versenden.
|
 |
|
|
|